Verfasst von: Junior | Dezember 27, 2007

Geld zurück!!

Gibts nicht.

Lediglich in extremen Ausnahmefällen machen wir da eine Ausnahme. Meistens ist es mit einer kleinen Nachbesserung getan. Das Höchste der Gefühle ist ein kleiner Preisnachlass oder der Austausch der Ware gegen ein gleichwertiges Produkt.

Faszinierenderweise wird es aber auch sehr selten verlangt. Und wenn, dann nicht von den Kunden, die wirklich das Pech hatten, eine defekte Ware zu erhalten. Meist können wir das durch unsere charmante Art (*hust*) und ein klein bisschen Service wieder gerade biegen, verkaufen wir ja schließlich nichts Teures, von dem man eine überdurchschnittliche Qualität erwarten würde.

Allerdings gibt es diese seltenen Ausnahmefälle, die einem gut im Gedächtnis bleiben.

Da war die Kundin im südlichen Schleswig-Holstein, die sich unser KFZ-Kennzeichen notierte, um uns anzuzeigen. Streitwert waren damals 10€ und der Mangel war, dass ihr die Ware nach 10min nicht mehr gefiel. Allerdings hatte die Beratung, die zum Kauf führte, eine Viertelstunde angedauert. Den Austausch gegen eine andere, gleichwertige, Ware hatte sie ebenfalls abgelehnt, garniert mit einigen unschönen Bemerkungen über „Scheiß deutsche Kartoffeln“, was unsere Gesprächsbereitschaft direkt auf Null sinken ließ.

Dann war da noch die Kundin in Dresden. Ende 20, Kopftuch, eher gebrochenes Deutsch. Ich hatte eine Menge Zeit, aufgrund der schieren Massen an Kunden, die sich bei Starkregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Markt verirrt hatten. Nach 20 Minuten, gefühlt waren es eher 120, angestrengten Beratens hatte sie sich endlich entschieden und 10€ wechselten den Besitzer. Verhaltener Applaus seitens meiner Standnachbarn, die den Affentanz mitangesehen hatten, belohnte mich dafür.

 Eine Stunde später stand die Dame wieder vor mir, um ein blaues Auge reicher, und verlangte ihr Geld zurück, ich hätte sie betrogen. Die Lautstärke dieser Forderung ließ auch die Betreiber der umliegenden Stände leicht in meine Richtung schlendern, man ist ja Gaffer. Nach einigen Diskussionen um Gewährleistungsrecht, Service, Stammkundschaft, meine sexuelle Orientierung und meine ethnische Herkunft ließ sich die junge Frau dann herab, mir zu erklären, wo genau ich sie betrogen haben sollte.

Nachdem ich das Problem dann endlich in Augenschein nehmen durfte und den, offensichtlich absichtlich herbeigeführten, Mangel beseitigen konnte, wurde die Frau leicht hysterisch. Sie drohte mir mit der Polizei, was sofort freudig von der, mittlerweile versammelten, Menge von Ausstellern begrüßt wurde, und weigerte sich strikt, die Ware wieder in Empfang zu nehmen. Ich legte diese daraufhin auf eine Ecke meines Standes, verbunden mit dem Hinweis, dass sie diese bitte an sich nehmen möge, ich würde ab nun jegliche Verantwortung dafür ablehnen.

5 Minuten, angefüllt mit Beschimpfungen, später nahm sie dann wutentbrannt die Ware auf und verließ den Schauplatz. Sehr zum Verdruß der, ansonsten beschäftigungslosen, Kollegen.

Nicht auszudenken, wie sich diese beiden Grazien bei wirklich defekter Ware aufgeführt hätten.


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