Ja, bin ich, stimmt. Da hatte die gute Frau messerscharf gefolgert. Wer sich ekelt, in Hundepipi zu packen, muss eine Mimose sein. Die Verniedlichungsform „-öschen“ ergibt sich quasi von selbst aus meinen 1,85 und 90kg purer Muskelmasse. Oder so ähnlich, jedenfalls kann ich kein G-Star tragen, weil da immer alles zu eng um die Schultern ist.
Angefangen hatte es heute mit einem Hund, der, im Vorbeigehen, eine meiner Sturmstangen nebst untenanliegendem Flachgewicht als Reviermarkierung mißbrauchte. Den Akt selbst bekam ich nicht mit, nur die gelbe Pfütze anschließend.
An und für sich kein großes Ding, wenn nicht Hundepipi zu immer noch mehr Hundepipi von anderen Hunden führen würde. Ein Teufelskreis und kein Sagrotan in erreichbarer Nähe. Schrecklich. Das Problem ist nämlich, dass die Flachgewichte zu den schwieriger zu verstauenden Objekten eines Marktstandes gehören. Sie dürfen in Kurven nicht verrutschen, sollen, nach Möglichkeit, nicht gegeneinanderklappern und, im Idelafall, weder Ware noch Laderaumverkleidung zerstören. Da muss man schon mal schieben, stoßen und hebeln, bis alles richtig passt. Vollkontaktsport mit gelbem Hundepipi also.
Im weiteren Verlauf des Tages näherte sich dann ein Päärchen nebst Hund meinem Stand. Das Päärchen würde ich spontan der Subgruppe „Proleten“ zuordnen. Fettige Haare, unrasiert (beide), schiefe gelbe Zähne. Der Hund war das Modell „schwarze Fußhupe“.
Dieser Hund schnüffelte am bereits benässten Flachgewicht, schnüffelte nochmal, Frauchen schaute desinteressiert zu. Der Hund setzte sich und ließ seinem Reviertrieb freien Lauf. Frauchen schien immer noch eher desinteressiert.
2 schnelle Ausfallschritte Richtung Hund, welche mich unmittelbar auf dem Schwanz zum stehen gebracht hätten, wäre der Hund nicht seinem Selbsterhaltungstrieb gefolgt und jaulend auf Seite gehüpft, und ein leidlich artikulierter Ausruf, welchen man mit „Muss die Töle da jetzt auch noch draufpissen, oder was?!“ übersetzen könnte waren eins.
Üblicherweise wirken Menschen von ins Rollen gekommenen, laut schreienden Fleischmassen in tarngrün eher eingeschüchtert, zumal wenn sie mir nur bis zum Brustbein gehen und ihr Brustumfang dem meines Oberarms entspricht. (Übertrieben, geb ich zu) Frauchen allerdings reagierte mit einem beherzten „Ey, hassu nen Rad ab oda was?!“ in durchaus aufrührerischer Tonart.
Ich muss zugeben, ich war etwas perplex.
Das sich anschließende „Gespräch“, welches in erbaulich lauter Tonlage geführt wurde, lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Ich: „Sie können ihren Hund doch nicht an meinen Stand pinkeln lassen!“
Sie: „Wieso nicht?! Kauf dir halt nen anderen Stand!“
Ich: „Weil ich den Mist nachher mit der Hand anfassen muss, um ihn ins Auto zu laden. Ist ja widerwärtig!“
Sie: “ Stell dich nicht so an du Mimöschen, kauf dir halt Handschuhe oder so!“
Ich: „Sie finden es nicht ekelig in Hundepipi zu fassen? – Denn man los, abmontieren und ins Auto laden, ich weise Sie ein.“
Herrchen: „Sehr förderlich für ihr Geschäft, was sie hier abziehen…“
Kundin1 im Hintergrund: „Unglaublich. Erich, hör mal!“
Ich: „Bitte was?! Glauben Sie es ist förderlich für mein Geschäft, wenn es nach Hundepisse stinkt?!“
Sie: „Ach leck mich doch!“
Herrchen: „Komm Schatz, lass dich nicht anmachen.“
Und so zogen sie von dannen, heftig den Kopf schüttelnd und nicht verstehend, warum die Menschenmenge, die sich versammelt hatte, ungläubig den Kopf schüttelte.
Immerhin, gab 3 Mitleidsverkäufe und 2 Taschentücher aus der Menge.
Sowas ist mir bis dato noch nicht passiert. Entweder entschuldigen sich die Leute, wenn ihre Hunde meinen Stand anpinkeln oder sie gehen vor der versammelten moralischen Authorität anderer Kunden und/oder Händler in die Knie und wischen die Pisse weg. Aber heute war eh Großkampftag an der Assifront. Gibt so Tage, da kommt viel zusammen.
…to be continued…