Sowas hört man immer gerne. Bevorzugt allerdings am Telefon, wenn man sich um Termine bemüht.
Sowas an einem Sonntagmorgen von einem Marktmeister zu hören, mit dem man bereits vor Wochen telefoniert hat und der anschließend einen unterschriebenen Vertrag zugeschickt bekommen hat und diesen wiederum schriftlich bestätigte, ist schon etwas irritierend. Morgens um 5 Uhr laufen meine Synapsen eh noch mit halber Umdrehung und ich neige dazu auf aggressiven Tonfall sarkastisch zu antworten. Schlechte Rahmenbedingungen also.
Naja, voll war wirklich voll.
Ich stand also in einem kleinen Nest 200km von zu Hause entfernt, hatte in der Nacht zu wenig Schlaf abbekommen, Kaffee gab es um die Uhrzeit noch nirgendwo, außer für gefühlte 235,60,-€ an der Autobahn, und meine Laune war verständliherweise auf dem Tiefpunkt. Der Markt, auf dem ich stand, war gut, das wusste ich. Der Umsatz war eingeplant, ich auf die örtlichen Bedingungen eingestimmt und nicht zuletzt das Warenprogramm in den Feinheiten auf die dort auftreffende, zahlungskräftige, Kundschaft abgestimmt.
Was solls, Schadensbegrenzung war angesagt. Mama angerufen, Papa angerufen: „Was tun?! Habt ihr spontan nen Ausweichtermin an der Hand, möglichst binnen 2 Stunden Fahrtzeit?! Und wie siehts da mit nem Platz aus? Kennen wir jemanden, der auch da ist und mir spontan einen reservieren kann?“
Nach 15 Minuten hektischer Dreierkonferenz, dem Wälzen von 3 Veranstaltungsmagazinen, dem Telefonieren mit 4 Kollegen und einer abschließenden Abmeldung vom Telefon „Navi sagt 2 Stunden, ich schaffs in 60 Minuten, denke ich, ruft nicht an, ich melde mich.“ gings los.
Der Zielmarkt war ein großer Trödelmarkt, von dem wir bisher nur Gutes gehört hatten. Ein guter Platz dort war von einem lieben Kollegen abgesteckt worden, die Zufahrt zum Gelände und ein Stellplatz für den Wagen war ebenfalls vorab geregelt. 2 nicht zu unterschätzende Stressfaktoren, gerade, wenn man eh zu spät ist.
Die Fahrt verlief ereignislos. Immer nah an den Punkten dran, auf freier Landstraße auch deutlich darüber, war ich tatsächlich nach 70 Minuten vor Ort.
Der Markt war scheiße.
Fazit des Tages: 500km durch die Gegend gekurvt, kostendeckender Umsatz, 16 Stunden unterwegs. Ausschlafen wäre besser gewesen.
Der Schadensersatzprozess gegen den ersten Veranstalter ist mittlerweile gewonnen, aber mir wäre ehrlich erzielter Umsatz deutlich lieber gewesen. Auf der anderen Seite ist Geld Geld, wo immer es herkommt.